Toniolos Werk hat etwas Überraschendes: Einerseits nährt es sich vom “Schmutz” der menschlichen Existenz, andererseits erhebt es sich zu unerhörter Schönheit und sinnlicher Ekstase, als wolle es das berühmte Wort Dostojewskis in Erinnerung rufen:

“Nur das Schöne kann die Welt retten.”


 

 

Vier Themen prägen das Werk von Ennio Toniolo:

 

Diese Themen besitzen eine Eigendynamik, die sich im geistigen Werdegang des Künstlers widerspiegelt und die man daher in der thematischen Entwicklung seiner Werke beobachten kann:

 

1956-1978, erstes und viertes Thema

Zwei Themen sind in dieser langen Schaffensperiode allgegenwärtig: die kontemplative Hingabe und die existentielle Erfahrung von Elend, Einsamkeit und Leid ; beide Themen finden ihren Ausdruck in der Nüchternheit der Formen und Farben. Grau- und Blautöne, dunkle Farben, massive, bald rundliche, bald beinahe kubistische Umrisse charakterisieren die Werke dieser Periode.

 

1975-1986, erstes Thema und Aufkommen des zweiten Themas

Die menschliche Misere wird nicht mehr mit Nüchternheit betrachtet, sie wird tief gefühlt. In dieser zweiten Phase beginnen Farben aufzublitzen, die Toniolos Bilder beinahe zerreißen: Leidende, ausgezehrte, vom Wahn gezeichnete Gesichter , von der Zeit verunstaltete Körper , fast schneidende Konturen von steinigen Landschaften werden sichtbar .

Hier offenbart sich die künstlerische Energie in einer heftigen Reaktion auf die Leere der menschlichen Existenz.

 

1985-1993, Entwicklung des zweiten Themas

In dieser Phase ist die Energie nicht mehr nur als Triebfeder zu verstehen, sie wird selbst zum Thema. Ungestüm überflutet sie die Leinwände mit lebhaften Farben und abstrakten Formen, die den Betrachter mitreißen in einen Bereich zwischen Traum und Realität . Die „musikalischen“ Temperabilder markieren sowohl den Beginn dieser Periode als auch den Beginn der nächsten Phase.

 

1985-2000, drittes Thema

Die Energie strukturiert sich in symmetrischen Formen und rhythmischen Bewegungen, die beim Betrachter ein Gefühl des Staunens, der vergnügten Verwunderung auslösen: Aus der Energie entsteht das Thema des Spiels, das beispielsweise in den Bildern mit Spiegelstücken sichtbar wird .

Die Spielthematik wird lange Zeit Toniolos Schaffen bestimmen, besonders im plastischen Bereich .

 

1993-Gegenwart, Rückbesinnung auf das vierte Thema

In dieser vorerst letzten Phase beruhigt sich schließlich die Bewegung wieder, der Künstler verlässt die kräftigen, reinen Farben, um sich zarteren Tönen zuzuwenden. Toniolo kehrt zum Figürlichen zurück und zum Thema der kontemplativen Hingabe, die nun nicht mehr in Nüchternheit oder Askese, sondern in freudiger, ausgesprochen sinnlicher Form ihren Ausdruck findet .

 


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